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UNISON Newsletter | 11-13 | Gut mit sich umgehen
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Gut mit sich umgehen... kommt erstmal so unspektakulär daher, dass man sich fragen kann, ob es überhaupt des Schreibens lohnt. Ist das denn ein Thema? Doch gerade weil etwas in uns dem so wenig Wert beimessen möchte, es abtun möchte, IST es ein Thema - ein überaus Wichtiges sogar. Und sollte deshalb auch aus einer ganz persönlichen Perspektive betrachtet werden.

Wann und wo und wie gehe ich gut mit mir um? So konkret muss die Frage gestellt werden. Darauf könnte ich persönlich antworten: Ich gehe gut mit mir um, wenn ich mir - anstatt mit Wecker aus dem Bett zu springen - am Morgen nach dem Aufwachen einen sanften Übergang in den Tag erlaube - sei es mit ein paar Yogaübungen im Bett oder einer Tasse heißen Tees, den ich mir am Abend schon in der Thermoskanne ans Bett gestellt habe. Aquarellierte Skizze eines PferdesIch gehe gut mit mir um, wenn ich auf die Bedürfnisse meines Körpers nach einem kurzen Spaziergang oder einem kurzen Mittagsschlaf höre, anstatt mit einem Espresso durchzuarbeiten. 
Ich gehe gut mit mir um, wenn ich mir Auszeiten schenke, die mein Herz singen lassen, sei es ein Wochenende auf meinem Lieblings-Reiterhof in der Rhön, sei es ein Sonntag-Nachmittag unterwegs mit meinem Skizzenbuch, an dem ich ganz bewusst meine schöpferische Kraft nähre - auch wenn die To-do-Liste noch so lang ist. Und vor allem gehe ich gut mit mir um, wenn ich meinen randvollen Terminkalender mit unverplanter Zeit durchsetze, einen Termin mit mir selbst vereinbare, wo etwas oder nichts sich ereignen darf - ganz so, wie der Moment es will.
Das sind nur einige meiner persönlichen Favoriten, Sie haben ihre eigenen, und es kommt auch gar nicht darauf an, WAS wir tun. Wichtig ist allein die Haltung, in der wir es tun. Mir selbst liebevoll zugewandt, aufmerksam für die Bedürfnisse des Moments, diese ernst nehmend und in einen inneren Dialog mit mir tretend: Was brauchst Du jetzt? Was kann ich Dir jetzt Gutes tun? Ganz so, wie wir uns an einen geliebten Menschen wenden würden. Und es ist ja letztlich ein geliebter Mensch, an den wir uns da wenden: das Kind in uns, der bedürftigste, verletzlichste Teil und zugleich Träger unserer ursprünglichen Weisheit und Lebendigkeit. Solange wir diesen inneren Persönlichkeitsanteil auf Kosten des - ach so erwachsenen - Funktionierens abtun, bleiben wir in unserem inneren Erleben oftmals verarmt und gespalten.

In meiner psychotherapeutischen Arbeit stelle ich immer wieder fest, dass gerade Menschen sich besonders schwer tun, freundlich und gut zu sich zu sein, die besonders gut "funktionieren", die ihr Leben mit höchster Selbstdisziplin gestalten. Das kann an verinnerlichten Ansprüchen liegen, die ihnen suggerieren, nur wenn sie perfekt sind, seien sie erwünscht und liebenswert. Diese Menschen streben dann in unablässiger Selbstausbeutung danach, die perfekte Ehefrau, Geliebte, Mutter, Chefin, Kollegin, Sportlerin, Musikerin, etc. zu sein und es allen Seiten Recht zu machen. Und bleiben dabei selbst natürlich irgendwann auf der Strecke...  Männer kann das übrigens genau so treffen.

Zum anderen gibt es im Leben von Menschen, manchmal in der frühen Kindheit, existenziell überwältigende Situationen - in der Fachsprache Trauma genannt. Das menschliche System greift in seiner völligen Überforderung dann zu einem Bewältigungsmuster, kraft dessen es die unerträgliche Bedrängnis innerlich abspaltet und nur noch funktioniert - aber das hocheffektiv. Wird die traumatische Erfahrung nicht integriert, hängt der Betroffene unter Umständen jahrzehntelang wie in einer endlosen Schleife fest: Bei jeder kleinsten Herausforderung geht es für ihn immer wieder neu darum, mit riesigem Stress und Anstrengung der vermeintlich existenziellen Bedrohung zu entgehen. So wundert es nicht, dass posttraumatische Belastungen oft im Hintergrund eines Burnouts stecken. Denn gerade Menschen mit einer komplexen posttraumatrischen Belastungsstörung haben oft panische Angst, ihr ganzes Leben werde zusammenbrechen, wenn sie das eiserne Korsett der Disziplin gegen die Sanftmut der Selbstfürsorge eintauschen. 

In meiner Erfahrung ist die Basis jeden guten Umgangs mit sich die Fähigkeit, sich bewusst selbst wahrzunehmen. Erst wenn ich gelernt habe, meine Aufmerksamkeit von der ständigen Beschäftigung mit vermeintlichen Ansprüchen und Bedrohungen abzuziehen und statt dessen immer wieder freundlich auf das zu richten, was JETZT an Empfindungen, Gedanken, Gefühlen etc. einfach da ist, werde ich beginnen, liebevoll(er) mit mir umzugehen! Bewusste Aufmerksamkeit bringt mich wieder in Verbindung mit mir selbst, und im Zustand von Verbundenheit beginnt das System, sich selbst zu regulieren. Damit stoßen wir Prozesse von Harmonisierung, Selbstheilung und Wohlbefinden an, wie sie in vielen Studien zur Achtsamkeitspraxis dokumentiert sind. 

Ich lade Sie ein, in den dunklen Monaten, die nun vor uns liegen, einen freundlichen inneren Beobachter zu kultivieren, der  Ihnen die Freiheit schenkt, sich auch gegen eingefahrene Gewohnheiten von Anstrengung und Funktionierenmüssen entscheiden zu können. Gut mit sich umzugehen ist das Natürlichste von der Welt! Tun Sie es einfach. Beginnen Sie, nicht mehr nur im Kämpfermodus zu überleben, sondern Ihr Leben in all seinen Facetten zu genießen. Einen kleinen Einstieg dazu mögen Ihnen die Übung und der Buch-Tipp des Monats vermitteln. Bei weitergehendem Interesse auch gerne die Teilnahme an einer UNISON Monatsgruppe in achtsamer Selbstwahrnehmung und ressourcenorientierter Selbstfürsorge. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen "gute" Novembertage...


Herzlichst, Ihre Alexia Meyer-Kahlen

Übung des Monats: 

Ich nenne die Übung des Monats "Just do it" und sie beruht auf der neurologischen Tatsache, dass eine neue Gewohnheit ca. zwei Monate braucht, um sich wirklich verankern zu können. Gut mich sich umzugehen ist für viele Menschen eine neue Gewohnheit. Egal, wie klein oder groß es ist., was ich für mich tue - drei Minuten, in denen ich meine Arbeit unterbreche, um in den Himmel zu schauen, eine halbe Stunde in einem schönen Café oder zwei Stunden in der Sauna - wichtig ist, es ganz bewusst für mich zu tun. Und es einfach zu tun

Ich schlage vor, als erstes einen Selbstfürsorgevertrag mit sich abzuschließen, in dem man sich schriftlich verspricht, sich in den kommenden zwei Monaten - also bis zum 31.12. - jeden Tag einmal etwas Gutes zu tun. Wenn ich merke, dass schon beim Gedanken an einen solchen Vertrag massive Gegenstimmen und Widerstände in mir auftauchen ("Wie soll das denn gehen?"... "Dafür habe ich keine Zeit!"... "Und werkümmert sich um die Familie?"... etc.), lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was da meine Selbstfürsorge blockiert. Und den Vertrag dennoch zu unterzeichnen - es einfach zu tun!

Als zweite Vorbereitung setze ich mich mit einem weißen Blatt Papier hin und frage mich: "Was gab es in meinem bisherigen Leben für Momente / Orte / Dinge / Tätigkeiten, die mir gut getan haben?" Und dann schreibe ich, ohne viel darüber nachzudenken(!), zwanzig Dinge auf. Das kann alles sein von dem Stückchen Schokolade zum Espresso bis zum Wanderurlaub auf Mallorca. Auch hier kann es unter Umständen wieder zu massiven Einwänden von Seiten der "Vernunft" kommen, doch ich schlage vor, sie für den Moment einfach beiseite zu stellen und weiterzuschreiben - es einfach zu tun. Just do it.

Am ersten Tag lese ich morgens meine Liste durch und frage mich, welche Ressource meiner Liste ich heute in meinen Tag einbauen könnte. Vielleicht fällt mir beim Lesen ja auch etwas anderes ein, was ich heute lieber täte, das füge ich dann der Liste hinzu.
Und tue es dann an dem Tag. Einfach so... So wird meine Liste immer länger und meine innere Schatztruhe mit Dingen, die mir gut tun, immer voller. Pünktlich zum Beginn des neuen Jahres ist es mir dann zu einer lieben Gewohnheit geworden, gut mit mir umzugehen. Und jeder gute Vorsatz zum Neuen Jahr erübrigt sich...

Das Prinzip der Übung ist es, nicht auf die "Lust" zu warten, etwas für mich zu tun. Oder auf die "Energie". Sondern es zu tun, weil ich es mir versprochen habe. Weil ich es mir wert bin und bis zum Ende des Jahres jetzt einfach mal für mich tue. Hinterher werde ich mich anders fühlen. Das verspreche ich!


Ich freue mich wieder auf Rückmeldungen zur Übung auf allen bekannten Kanälen...

Resonanzen
Auch der zweite Tag der offenen Tür bei UNISON am 20. Oktober wurde von den Teilnehmerinnen (warum kommen zu so solchen Veranstaltungen eigentlich überwiegend nur Frauen???) sehr positiv aufgenommen. Einige Stimmen: 
„Vielen Dank für den schönen Sonntagmittag. Ich hatte schon lange nicht mehr einen so erholsamen und entspannenden Sonntag“ (Heike) +++ „Die spielerischen, buntfarbigen, kreativen Kostproben an diesem trüben Sonntag im Oktober haben meine Seele bunt schillern lassen und ich habe Impulse und Anregungen auf eine für mich ganz wichtige Frage meines Lebens erhalten. Ganz lieben Dank dafür." (Dorothea) 

Ich habe mich aufgrund der sehr positiven Resonanz dazu entscheiden, den Tag der offenen Tür auch in 2014 weiterzuführen - der letzte Tag der offenen Tür in diesem Jahr findet am 24. November statt. Gerne weitersagen... mit der Bitte um Anmeldung wegen der begrenzten Plätze!
Info und Anmeldung unter 06051 - 4959387.
UNISON-Angebote zum "Gut mit sich umgehen" -
für Kurzentschlossene noch im November/
  für Vorausplanende schon im Dezember...
Philosophischer Salon
In offenen Treffen einmal pro Monat betreiben wir Philosophie mit allen Sinnen  am 
2. November und 21. Dezember!
Nach einem kurzen philosophischen Impuls zu einer Lebensfrage bewegen wir mit Kopf und Kreiden die Frage sowie Ihre Konsequenzen für unser eigenes Leben. Keinerlei  philosophisches Vorwissen ist erforderlich.
Infos und Anmeldung http://uni-son.de/meine-angebote.html#philosophische-gesprache

Neuer Termin! Jetzt immer Samstags von 15 - 18 Uhr.
Fragen wagen. Sie bedenken wie ein Philosoph.
Und sie umsetzen wie ein (Lebens-)Künstler.
Workshop-Serie Schöpferischer Selbstausdruck 
Sie wollen Ihre Intuition entfalten? Sie wünschen sich einen geschützten Raum für freien Selbstausdruck durch Wort, Stimme, Farben, Klang, Bewegung? Sie fragen sich, wie sie Ihre Spielräume erweitern und Ihr Leben spielerisch gestalten können? Wir erforschen gemeinsam das Feld unseres persönlichen kreativen Ausdrucks mit verschiedenen Zugängen: 


9.11.:  Malen ohne Grenzen  +++  7.12.: (Klang-)Spiel im Raum
Infos und Anmeldung http://uni-son.de/meine-angebote.html#kreativitatsworkshops
http://aboshop.stern.de/stern-gesund-leben-heft-5-2013.htmlAchtsamkeit ist "in"! 

Meine herzliche Einladung zur letzten Monatsgruppe Achtsame Selbstwahrnehmung in diesem Jahr:
Mehr Körperbewusstsein + Mehr Kontakt mit dem, was im Inneren so los ist + Mehr innere Präsenz und Klarheit + Weniger Stress und Verspannung + Der erste Schritt zu einem Leben aus der Mitte. 
Ab 28.11. :   
Kinder: 15 - 17 Uhr, Erwachsene: 18 - 20 Uhr 
Infos und Anmeldung http://uni-son.de/meine-angebote.html#achtsamkeitsgruppen
Buch-Tipp des Monats: 

LAUTER TOLLE ÜBUNGEN ZUM GUTEN UMGANG MIT SICH SELBST AUS DER LÖSUNGS-ORIENTIERTEN KURZZEITTHERAPIE:
Ben Furman und Tapani Ahola: "Raus aus dem Tief. Übungen für mehr Lebensfreude", Carl Auer Verlag 2013
Mehr Lesen? Mit einem Klick zu "meinklang" - dem UNISON-Blog für Achtsamkeit, Ressourcen, Kreativität, Potenziale, Wachstum, Sinn, Leben!
Das "P.S." in eigener Sache...
Liebe Leserin, lieber Leser. Dieser November-Newsletter ist sehr persönlich geworden - vielleicht, weil mir das Thema des guten Umgangs mit sich selbst so am Herzen liegt. Und weil ich diesmal viele meiner eigenen Zeichnungen und Bilder verwendet habe.
Ich lade Dich ein, ebenfalls "persönlich" zu werden! GIb mir Feedback zu diesem Newsletter: Wovon willst Du mehr? Wovon willst Du weniger? Informationen zu bestimmten Themen? Persönliches? Photos? Videos? Audios? Übungen? Buchtipps? Links? Aktuelle Termine? Etwas, woran ich noch gar nicht gedacht habe? 
Ab Anfang November ist es noch einfacher, im Gespräch zu bleiben: Der neue UNISON-Blog von Wordpress hat integrierte Kommentarmöglichkeiten zu facebook, google+ und natürlich im Blog selbst!
Ich freue mich, von Dir zu hören! 
Impressum
Dr. phil. Alexia Meyer-Kahlen M.F.A.
UNISON Praxis für Einklang
Heinrich-Mahla-Str.14, 63571 Gelnhausen
06051-4959387; info@uni-son.de; 

http://www.uni-son.de

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