4. Karlsruher Stadtbienenbrief

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Ernte
 
Im laufenden Jahr habe ich Honig aus zwei Völkern ernten können. Geschleudert habe ich Anfang Juli und dann noch einmal sehr spät im September. Ihr dürft euch wieder auf einen sehr aromatischen Honig freuen. 
Kontrolle bei den Bienen.
Völker
 
Im 3. Karlsruher Stadtbienenbrief habe ich von den drei Völkern erzählt, die im Botanischen Garten stehen. Ganz spät im Jahr kam noch ein weiterer Ableger hinzu. Die Völker haben sich ganz unterschiedlich entwickelt:

Volk 4: Der jüngste Ableger hatte sich eigentlich gut entwickelt, denn die neue Königin hatte fleißig gelegt. Trotzdem habe ich das Volk innerhalb von einer Woche verloren. Der Grund war Räuberei*

Volk 3: Ableger Nummer zwei bleibt ein Rätsel. Auch hier war alles in Ordnung, ein recht starkes Volk hatte sich entwickelt. Bei der Nachschau eine Woche später war der Kasten leer. Ich habe kaum tote Bienen im oder vor dem Stock gefunden, sie sind also einfach "ausgeflogen". Ausgeräubert war der Kasten auch nicht.

Volk 2: Der erste Ableger von diesem Jahr hat sich gut entwickelt. Die Königin hat fleißig gelegt und die Bienen haben auch schon Honig eingetragen. Trotzdem ist das Volk das derzeitige Sorgenkind. Der Varroabefall ist trotz Behandlung immens hoch. Das Volk ist recht schwach, so dass es sich nicht gegen alle Wespen wehren kann und es ist von Viren befallen.

Volk 1: Das Muttervolk aus dem letzen Jahr macht sich gut, ich konnte zweimal Honig schleudern. Obwohl ich im Sommer keine Varroabehandlung gemacht habe, ist der Befall nicht ganz so hoch, wie bei Volk 2.
So sieht es aus, wenn die Bienen für den Winter zugefüttert werden.
Varroa
 
Die Varroamilbe kennen mittlerweile auch schon viele Nichtimker. Sie ist ein Parasit der von Bienen lebt. Die Milben krabbeln in die Brutzellen und leben von der Bienenlarve. Sobald sich diese verpuppt, werden die Brutzellen mit einem Wachsdeckel verschlossen. Die Muttermilbe legt nun im Abstand von 30 Stunden 5-6 Eier. Die Milben schlüpfen und saugen sich an der Jungbiene fest. Wenn die Biene aus der Brutzelle schlüpft, können auch die Milben mit nach draußen und sich im Stock verbreiten. Durch Bienen, die mit Milben in andere Stöcke fliegen, wird die Milbe auch an andere Völker verteilt.

Die Varroamilbe (Varroa destructor) stammt ursprünglich aus Ostasien. Ihr Wirt ist die östliche Honigbiene (Apis cerana). Durch weltweiten Austausch von Bienenmaterial wurde die Varroa global verbreitet. Nur Australien ist bisher nicht betroffen. Durch Wanderungsbewegungen und Austausch von Bienenmaterial kamen unsere westlichen Honigbienen (Apis mellifera) mit den Milben in Kontakt. Bei den östlichen Bienen wird nur die Drohnenbrut befallen, so dass die Völker am Parasit nicht zugrunde gehen. Bei uns sitzen die Milben zwar auch in der Drohnenbrut, aber zusätzlich auch an den Arbeiterinnenlarven. Das schwächt natürlich die Leistung von einem Bienenvolk. Wenn nicht behandelt wird, geht ein Volk innerhalb von 3-4 Jahren an der Varroamilbe ein.
Biene mit verkrüppelten Flügeln. Daneben siehst du einige tote Varroamilben.
Wespen, Wetter, Viren
 
Dieses Jahr war für die Karlsruher Stadtbienen sehr anstrengend: Das wechselhafte Wetter war ein Grund. Wenn die Bienen gestresst sind, sind sie natürlich auch anfällig für Angriffe und Krankheiten. Im Botanischen Garten haben sich Hornissen angesiedelt. An sich sind diese Insekten zwar groß aber recht friedlich. Honigbienen sind aber prima Beute für sie. Der Fang ist ein sehr beeindruckendes Schauspiel: Die Hornissen kreisen vor dem Flugloch umher und fangen ankommende Bienen in der Luft ab. Das Eiweiß verfüttern sie an ihre Jungen.

Wespen gibt es eigentlich jedes Jahr, aber diesen Sommer sind sie am Bienenstand ganz besonders zahlreich aufgefallen. Wespen nutzen sowohl den Honig als auch Eiweiß von den Bienen. Das Volk auf Standort 2 war oft zu schwach um die Angreifer abzuwehren, so dass manchmal bis zu zehn Wespen im Stock ein- und ausflogen. Immer wieder lagen natürlich auch tote Wespen im Stock, aber wenn Wespen es schon schaffen in den Stock einzufliegen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass das Volk schwach ist. Wespen sind außerdem bei kühlen Temperaturen viel agiler als Bienen. Auch jetzt zischen noch viele Wespen am Stand herum, während die Bienen schon ziemlich träge sind.

Der Varroabefall ist bei uns dieses Jahr besonders hoch. Im zweiten Volk sind sehr viele Bienen mit verkrüppelten Flügen zu sehen. Die Ursache ist das Flügeldeformationsvirus, das durch die Varroamilbe übertragen wird. Ob dieses Volk noch genügend gesunde Bienen hervorbringt um den Winter zu überleben...?
Fragen
 
Ist Bio-Honig besser? Was passiert mit dem Wachs? Ist die Varroa-Behandlung ökologisch? Wenn du Fragen hast, stell sie mir, dann habe ich schon interessante Themen für den nächsten Karlsruher Stadtbienenbrief. 
In den Stock eingedrungene Wespen werden von den Bienen bekämpft.
*Räuberei

Bienen sind immer auf der Suche nach Futter. Wenn es im Sommer mal eine Zeit gibt, in der wenig oder keine Tracht herrscht, schauen sie auch schon mal im Nachbarvolk nach. Besonders anfällig sind dafür natürlich kleine Jungvölker, die sich noch nicht gegen den großen Ansturm verteidigen können. 

Auch Räuberei ist ein beeindruckendes Schauspiel. Die Räuberbienen öffnen die Waben nicht sauber, sondern reißen die Vorräte auf und können andere Bienen oder auch die Königin töten. Ein wild-hektisches Brausen und Brummen ist ein sicheres Zeichen für Räuberei.

Verhindern kann das Ganze natürlich der Imker. ;) Er sollte in den trachtarmen Phasen zufüttern. Allerdings darf man nicht mit dem Futter kleckern, denn das lockt die futtersuchenden Bienen sofort an. Wenn das Einflugloch eingeengt wird, kann es auch von wenigen Bienen besser bewacht werden. Geschickt ist natürlich, wenn man für die Ableger einen zweiten Standort hat, an den man die Ableger stellen kann. So können sich die kleinen Völkchen gut entwickeln, ohne dass sie sich ständig gegenüber den schon großen Nachbarvölkern behaupten müssen. 

Aus Fehlern lernt der Imker!
Copyright © 2013 Mira Maniyar


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