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Netzökonom-Blog von Holger Schmidt
 
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Slack-Gründer Butterfield: Es ist verrückt, in einem Unternehmen per E-Mail zu kommunizieren

Stewart Butterfield kommt erfrischend bescheiden rüber. Zum Interview erscheint der 42 Jahre alte Kanadier allein, ganz ohne Begleittross. Dabei ist er im Silicon Valley eine große Nummer. Seitdem er vor zwei Jahren die Kommunikations-App Slack erfunden hat, geht buchstäblich die Post ab. Nie zuvor hat sich eine App in Unternehmen so schnell verbreitet. Nie zuvor hat ein Startup in so kurzer Zeit eine Bewertung von einer Milliarde Dollar erreicht. Nun sind es sogar schon 2,8 Milliarden und ein Ende der Wachstumsstory ist nicht in Sicht. Rund 750000 Teams in Unternehmen haben die E-Mail abgeschafft und kommunizieren nur noch mit seiner Software. Alle drei bis vier Monate verdoppelt sich dieser Wert. „Es ist einfach verrückt, in einem Unternehmen per E-Mails zu kommunizieren. In zehn Jahren wird das niemand mehr tun“, sagt Butterfield.
Denn das Sparpotenzial ist riesig. Denn das Potenzial ist riesig. Etwa 28 Prozent ihrer Arbeitszeit nutzen Mitarbeiter für das Schreiben und Lesen der E-Mails. 80 Prozent dieser Zeit, so eine McKinsey-Studie, ist verschwendet. „Weitere 20 Prozent gehen für die Suche nach relevanten Informationen im Unternehmen drauf. Auch diese Zeit lässt sich verkürzen“, verspricht Butterfield.

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Denn Slack setzt dort an, wo die E-Mail Schwächen hat. „Der größte Unterschied: Die Kommunikation ist grundsätzlich öffentlich für alle Mitarbeiter im Unternehmen oder im Team“. Natürlich seien auch private Nachrichten möglich, aber generell verschwinden keine wichtigen Informationen mehr in irgendwelchen Postfächern, die niemand sonst einsehen kann. „Wenn also jemand eine Frage stellt und eine Antwort bekommt, können alle Mitarbeiter davon profitieren. Über die Suche werden die Antworten auch gefunden. Also muss dieselbe Frage niemals mehrfach gestellt werden“, erklärt Butterfield. Damit nicht alle Mitarbeiter alles lesen müssen, lassen sich Kanäle einrichten, zum Beispiel für Abteilungen oder einzelne Teams. Die weitverbreitete Unsitte, E-Mails als Kopie an viele Kollegen zu schicken, ersetzten die Slack-Entwickler durch ein effizientes Benachrichtigungssystem.

Inzwischen gibt es kaum ein Startup, das sein Kommunikationssystem nicht aufSlack aufbaut und selbst in den ansonsten trägen Großunternehmen gewinnt die Software immer mehr Anhänger. Dabei gibt es die Standardversion kostenlos; erst die Profiversion kostet dann Geld. 200000 Nutzer zahlen inzwischen für Slack, darunter Unternehmen wie Adobe oder die New York Times. Ein Drittel der Nutzer kommt aus Europa. Daher hat er gerade ein Büro in Dublin eröffnet, um das Geschäft hier weiter voran zu treiben.

Slack ist auch ein gutes Beispiel, wie eine gute Idee beinahe schon am Start gescheitert wäre. Denn Butterfield, der schon den Fotodienst Flickr mitgegründet hat, wollte eigentlich ein neues Spiel entwickeln. Das erwies sich schnell als Flop. Butterfield hatte aber noch sechs Millionen Dollar Risikokapital vom bekannten Invester Ben Horowitz auf der Bank und machte ihm den Vorschlag, mit dem Geld die selbstentwickelte Software für die interne Kommunikation des Entwicklerteams zu neuen Geschäft zu machen. „Das klang zunächst  nach einer fürchterlichen Idee“, sagte Horowitz, aber der Betrag war niedrig genug, dass er Butterfield einfach gewähren ließ. Seitdem wächst Slack rasant und Horowitz musste eingestehen, diese Entwicklung komplett falsch eingeschätzt zu haben.


Was es sonst noch Spannendes gibt: Morgan Stanley hat sich angeschaut, wohin die zusätzlichen Werbedollars (also das Wachstum) in den USA fließen. 2011 hatte Google noch 80 Prozent Anteil daran, jetzt nur noch 40. Bald könnte Facebook den Großteil abräumen. 

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